Heft 16 ist erschienen.

Projeto Gomes Leal: Auswahlübertragung

 

Das lyrische Werk des portugiesischen Dichters António Duarte Gomes Leal (1848–1921) ist bislang im deutschen Sprachraum wenig bekannt – dies obwohl Gomes Leal als einer der bedeutendsten portugiesischen Lyriker gelten darf und keinen Geringeren als Fernando Pessoa beeinflußte. Der Herausgeber der kalmenzone arbeitet daran, eine Auswahl aus dem Werk Gomes Leals ins Deutsche zu übertragen; das Projekt wird voraussichtlich mehrere Jahre beanspruchen. Erste Eindrücke vermitteln der Beitrag in Heft 16 (S. 15) und die Sonettübertragungen auf diesen Internetseiten.

Dieser kleine Internetauftritt soll in Zukunft noch ausgebaut werden.

 

 

António Duarte Gomes Leal
Autobiographisches Sonett

 

In früheren Epochen, längst vergangen,
gab’s eine heilige Mutter, manierlich von Ideen,
‘nen rechtschaffenen, silberbärtigen Vater,
gab’s Häuser, Gärten, Brunnen, Rosenbeete.

In den Kollegien, Aulen, Saalgestühlen
zertrümmert’ ich kein Pult, zerbrach ich keine Bänke.
Ich hatte gute Zensuren, führte Bücher.
Später liebte ich Patrizierhexen.

Ich war ein Freund von Eça und Ramalho,
João de Deus, auch vom exzentrischen Fialho,
und bin dann wider Willen ins Ausland ausgewandert.

Ich weinte, seufzte! Wie Dante in der Fremde!
Und als ich wiederkam, aus vorgebrachten Gründen –
bin ich dreimal ins Kittchen eingefahren.

 

 

Original erschienen in: ABC – Revista portuguesa, 22. Juli 1920; im Original wird das damalige Zentralgefängnis in Lissabon, der Limoeiro (Cadeia do Limoeiro), genannt.

 

 

 

Fernando Pessoa (1888–1935)
Gomes Leal

 

Es weiht der Unstern manche, strahlenlos.
Elend, Trauer und Einsamkeit: das sind,
endgültig umschließend, seine drei Ringe.
Im Raume starren acht fatale Monde.

Ihn, Dichter, hat Apoll in seinem Schoß
Saturnus überlassen. Von Blei die Hand
hob ihm das kummervolle Herz empor
und preßte es sodann, blutend und schlaff.

Unnütz acht Monde des verwirrten Sinns,
wenn die dreifache Umfassung besagt:
Einsamkeit und Elend und Bitternis.

Doch eine Spur läuft aus der Nacht ohn’ Ende,
Fährten von bösartiger Wohlgestalt:
der Mond jenseits von Gott, eisig und fremd.

 

 

 

Übertragung beider Gedichte aus dem Portugiesischen: Cornelius van Alsum.

 

 

 

Aus Gomes Leals Wilden Thesen